WETTERVORHERSAGE

Vorboten des Frühlings

Die Tage werden langsam wieder länger, doch noch herrscht Winter, auch wenn das Wetter bisher äußerst mild war. Wenn der Blick nach draußen schweift, trifft er vor allem auf die verschiedensten Grautöne und mattes Grün. Bis zum Beginn des Frühlings, dem frischen Austrieb der sommergrünen Gehölze und den leuchtenden Farben der Frühlingsblüher dauert es noch. Umso größer ist die Freude, wenn auch jetzt schon einige Pflanzen der Kälte trotzen und als Vorboten des Frühlings mit Blüten überraschen.

Manche Pflanzen blühen von Natur aus sehr früh. Sie haben eine Nische gefunden und öffnen ihre Blüten zu einer Zeit, in der nur wenig Konkurrenz durch andere Pflanzen besteht. Dieser Trick der Evolution bietet auch den Gartenbesitzern Vorteile, denn wer Frühblüher pflanzt, kann sich über einen besonders zeitigen Start ins Gartenjahr freuen. Zu den interessantesten Vorboten des Frühlings gehören unter anderem der Winter-Jasmin, die Winter-Duft-Heckenkirsche, die Niedrige Glockenhasel und die Schnee-Kirsche.

Frühlingsimpressionen im Winter

Die Schnee-Kirsche (Prunus subhirtella ´Autumnalis`) dürfte bei manchem den Eindruck erwecken, ein besonderes Naturphänomen entdeckt zu haben. Doch für diesen Kirschbaum ist es ganz normal, dass er im Winter blüht. Bei milder Witterung erscheinen die schönen Kirschblüten bereits im November oder Dezember, die Hauptblütezeit liegt allerdings normalerweise im März und April. Die Blüten sind weiß bis zart weiß-rosafarben und halbgefüllt. Die Schnee-Kirsche ist auch im Herbst interessant, denn ihre Blätter färben sich dann leuchtend gelborange bis violettbraun. Von dieser Kirsche gibt es verschiedene Sorten, zum Beispiel ‘Autumnalis Rosea‘, deren Blüten etwas intensivere Rosatöne aufweisen.

Verlockender Duft mitten im Winter

Die Winter-Duft-Heckenkirsche (Lonicera purpusii), auch Winter-Duft-Geißblatt genannt, überrascht im Winter sogar mit stark duftenden Blüten. Die meisten Geißblattarten sind als Kletterpflanzen bekannt, diese außergewöhnliche Art dagegen entwickelt sich zu einem bis etwa 2 Meter hohen Strauch. Die Hauptblütezeit liegt im Februar und März, doch je nach Witterung öffnen sich die rahmweißen bis zart gelben Blüten auch schon eher. Obwohl dieser Zierstrauch pflegeleicht und anspruchslos ist, ist er bisher kaum bekannt. In milden Regionen oder an geschützten Standorten behält er seine Blätter auch im Winter.

Gelbe Sterne für den winterlichen Garten

Ein ebenfalls wenig bekannter Winterblüher ist der aus Ostasien stammende Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum). Seine auffallenden, leuchtend gelben Blüten erinnern an die von Forsythien und wirken je nach Blickwinkel wie leuchtende, kleine Sterne. Die botanische Artbezeichnung nudiflorum heißt übersetzt nackt blühend und ist ein Hinweis darauf, dass dieser Jasmin seine Blüten schon vor dem Blattaustrieb öffnet. Sie erscheinen, abhängig von der Witterung, von Dezember bis April. Am besten entwickelt sich dieser Winterblüher an einem geschützten, sonnigen bis halbschattigen Standort. Er hat lange, biegsame grasgrüne Triebe. Sie lassen sich gut an Spalieren festbinden und können auf diese Weise etwa 3 bis 4 m hoch klettern. Der Winter-Jasmin ist ideal, um Hauswände, Mauern oder Pergolen zu verschönern. Ohne Kletterhilfe entwickelt er sich zu breiten, niedrig bleibenden Büschen. Besonders eindrucksvoll ist er, wenn seine langen, schlanken Triebe wie Kaskaden über Mauerkronen herab wachsen. Die gelben Blütensterne kann man sich auch ins Haus holen, denn einzelne Zweige sind im Winter ein schöner Tischschmuck.

Blütenglöckchen läuten den Frühling ein

Zart und zierlich wirkt die Niedrige Glockenhasel (Corylopsis pauciflora). Doch auch sie bietet den kühlen Temperaturen Paroli und blüht bereits früh im Jahr. Dieser nur etwa 1 bis 1,5 Meter hohe Strauch öffnet seine leicht duftenden, hellgelben Blüten schon im März und April vor dem Blattaustrieb. Die in großer Zahl erscheinenden Blütenglöckchen hängen meist zu zweit oder dritt an den feinen Trieben. Sie lohnen einen genaueren Blick, denn sie sind von einem dünnen, beinahe durchscheinenden Tragblatt umgeben, das den zierlichen Eindruck der Blüten verstärkt. Dieser Frühblüher wächst langsam und findet auch in kleinen Gärten oder Innenhöfen noch Platz. Wunderschöne Gartenbilder entstehen, wenn man die Niedrige Glockenhasel mit farblich passenden, früh blühenden Partnern kombiniert. Sehr effektvoll sind zum Beispiel blau blühende Zwiebelblumen wie Blausternchen oder Vorfrühlingsanemonen. Damit sich die Glockenhasel gut entwickeln kann, sollte sie an einer Stelle stehen, die vor kaltem Nord- und Ostwind geschützt ist. Dieser filigrane Zierstrauch ist auch nach der Blütezeit interessant. Seine Blätter sind während des Austriebs rötlich, später vergrünen sie und im Herbst färben sie sich goldgelb.

All diese Entdeckungen verlocken zu Spaziergängen durch den winterlichen Garten. Sie machen auch neugierig auf weitere botanische Überraschungen, die Mutter Natur noch bereit hält. Wer im eigenen Garten keinen Winterblüher hat und für das nächste Jahr vorsorgen möchte, nutzt am besten die bald beginnende Pflanzzeit, um den Garten mit den Vorboten des Frühlings zu bereichern

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Interessant zu wissen – rund um die Pflanzen des Monats Februar

Der Winter-Jasmin stammt ursprünglich aus China, wo er oft in Schluchten oder auf felsigen Abhängen zu finden ist. In Asien gibt es auch verschiedene Jasminarten mit duftenden Blüten. Weißen Duft-Jasminblüten sagt man nach, dass sie die Fantasie anregen, Ängste lindern und die Lebensfreude steigern. Auch wenn der Winter-Jasmin nicht duftet – die Lebensfreude steigert der Anblick der leuchtend gelben Blüten im Winter bestimmt.

Der Winter-Jasmin sollte regelmäßig ausgelichtet werden, indem man zu dicht stehende Triebe entfernt. Ein leichter Rückschnitt im Frühjahr, im Turnus von zwei bis drei Jahren, fördert die Blühfreudigkeit.

Nicht alles, was Jasmin heißt, ist auch ein Jasmin. Viele deutsche Pflanzennamen führen auf die falsche Fährte. Das gilt auch für den Pfeifenstrauch (Philadelphus), der auch als Bauernjasmin bekannt ist. Der andere deutsche Name, Falscher Jasmin, ist dagegen zutreffender. Der Bauernjasmin hat duftende Blüten, genauso wie viele Duft-Jasminarten, doch er ist nicht mit ihnen verwandt. Er gehört zu den Hortensiengewächsen, während die verschiedenen Jasminarten, wie zum Beispiel der schon zu Beginn des Jahres blühende Winter-Jasmin, zu den Ölbaumgewächsen gehören.

Sowohl Forsythien als auch der Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum) blühen schon sehr früh im Jahr und haben leuchtend gelbe Blüten. Die Blüten unterscheiden sich aber durch die Zahl der Blütenblätter: Bei Forsythien sind es vier, beim Winter-Jasmin fünf bis sechs. Außerdem erscheinen die Blüten des Winter-Jasmins eher und die Triebe sind, anders als die der Forsythien, auffallend grün.